Nachgefragt: Wie wird eine Booking-Agentur auf mich aufmerksam?

6 Experten aus der Booking-Szene verraten ihre

 DOs & DON‘Ts

Eine Frage, die mir schon öfter zu Ohren gekommen ist

Wie wird eine Booking-Agentur, bzw. ein Booker oder eine Bookerin, auf mich als Künstler*in oder auf meine Band aufmerksam? 

Ich habe diese Frage mal ein paar meiner Kollegen und Kolleginnen aus der Booking-Szene gestellt und einige spannende Antworten für dich in diesem Artikel zusammengetragen.

Bevor wir zu den einzelnen Statements kommen, lassen sich drei Dinge schon mal direkt festhalten:

  • Es gibt nicht „den einen Weg“, um auf sich aufmerksam zu machen.
  • Ein qualitativ hochwertiger und gut aufgestellter Außenauftritt ist eine wichtige Grundlage.
  • Absolutes No-Go: Bewerben, ohne sich vorher mit der jeweiligen Agentur auseinandergesetzt zu haben.
Simon Alter
Simon Alter, Booker und Inhaber bei Musszo Booking

Am wichtigsten ist, dass die Musik mich begeistert und vor allem überrascht! 

Bei mir gibt es eigentlich keinen klaren Weg, über welchen ich neue spannende Projekte entdecke. Das kann eine gute Anfrage Mail sein, ein Tipp von Kollegen, ein Showcase-Konzert bei einem Festival, ein geteilter Post bei Facebook, ein Zeitungsartikel… oder, oder.

Für eine Zusammenarbeit ist natürlich am wichtigsten, dass die Musik mich begeistert und vor allem überrascht. Der zweite Punkt ist immer, dass man persönlich auf einer Welle liegt und die gegenseitige Erwartungshaltung stimmt. Eine klare Vision, viel Erfahrung auf der Bühne und mit Tourneen und ein professionelles Umfeld sind natürlich immer zusätzlich gute Argumente.

Ein No-Go bei der Kontaktaufnahme ist natürlich sich nicht mit der Agentur auseinander gesetzt zu haben und nicht zu wissen, wen man anspricht und warum man mit der Agentur zusammenarbeiten will.

Wir bekommen viele Bewerbungen, die musikalisch gar nicht zu uns passen. 

Es ist unterschiedlich, wie wir auf Acts aufmerksam werden. Wir bekommen recht viele Blind-Bewerbungen, wobei wir aus diesem Pool bisher kaum Bands entdeckt haben. Die meisten Bands, mit denen wir dann auch eine Zusammenarbeit starten, werden über unser bestehendes Netzwerk aus Management, Labels und MusikerInnen empfohlen.

Pauschal kann man nicht beantworten, was ein Act auf jeden Fall mitbringen sollte. Natürlich ist es für uns interessant, wenn die Band sich bereits eine Basis erarbeitet hat. Aber auch ein komplett neues Projekt kann gerade deswegen spannend sein. Letztlich kommt es auf ein stimmiges Gesamtbild und Professionalität an – konkret: gutes und unverwechselbares Songwriting und Design.

Ein No-Go: Wir bekommen viele Bewerbungen, die musikalisch gar nicht zu uns passen. Bands sollten sich vor der Bewerbung die potentiellen Partner genau anschauen und filtern. Das erspart gerade auf Band-Seite viel Arbeit.

Florian Brauch
Florian Brauch, Geschäftsführer Sparta Booking
Kate Pohl
Katharina “Kate” Pohl, Bookerin bei EXTRATOURS Konzertbüro

Hilfreich ist, eine gute Basis zu haben, wie z.B. ein guter Online Auftritt, Videos, Fotos und Bühnenerfahrung.

Grundsätzlich gibt es da nicht „den“ Weg auf Acts aufmerksam zu werden, die Antwort lautet Überall. Natürlich spielen Online-Medien und Social-Media eine Rolle, da sich Künstler dort präsentieren können und man sich einen ersten Eindruck schaffen kann. 

Viele nutzen Spotify, YouTube und Co. und stoßen dort auf neue Acts, durch Playlisten oder z.B. durch Vorschläge der Kategorie „Ähnliche Künstler“. Wenn man viel auf Club Shows bzw. Festivals unterwegs ist, sieht man auch den ein oder anderen, noch unbekannten Act. Bewerbungen direkt bei der Agentur kommen noch oben drauf. Hier gibt es viele Möglichkeiten, auf sich aufmerksam zu machen.

Das Wichtigste, was ein Act mitbringen sollte, ist natürlich aussagekräftige Musik, denn darum geht es an erster Stelle. Hilfreich ist, eine gute Basis zu haben, wie z.B. ein guter Online Auftritt, Videos, Fotos und Bühnenerfahrung. Aber auch hier gibt es keine Definition, an die man sich halten kann oder sollte. Am Ende zählt das Ganze.

Showcase-Festivals sind tolle Möglichkeiten, Bands zu entdecken.

Darauf, wie wir Acts finden, gibt es eigentlich gar keine allgemeingültige Antwort, wir bei Roof und ich persönlich, wir kriegen Bewerbungen von Musiker*innen, schauen uns aber auch selbst viel um. Da gibt es viele Förderprogramme wie zB. BY ON, welche immer spannende Bands unterstützen.
Natürlich spricht man auch viel mit Kolleg*innen und Freund*innen und hält die Ohren offen, geht auf Konzerte, liest Blogs und Zeitschriften. Showcase-Festivals wie zB. die C/O-Pop in Köln oder das Reeperbahnfestival in Hamburg sind tolle Möglichkeiten, Bands zu entdecken, genauso wie die Kulturbörse in Freiburg oder das Eurosonic in Groningen. 

Allen voran muss mich ein*e Musiker*in oder eine Band überzeugen, irgendwas muss da sein, es muss flirren und spannend sein, mich packen und reizen. Dazu ist es natürlich wichtig, dass es Material gibt, welches ich mir anschauen oder anhören kann, schon produzierte Songs, Live-Versionen, Videos und Ähnliches. Wenn jemand dann meine Aufmerksamkeit hat, muss er oder sie auch irgendwie ins Roof-Profil passen. Wichtig ist also auch dass sich bewerbende Künstler*innen schon mal mit Roof Music auseinandergesetzt haben und wissen was wir sonst so machen.

Ein No-Go: Leider gibt es immer noch viele da draußen, die einfach blind Bewerbungen schicken, ohne Sinn und Verstand. Das kenne ich auch noch aus meiner Zeit als selbstständiger Booker und Veranstalter, da erhält man aus heiterem Himmel Bewerbungen von lauten krachigen Bands, wenn doch eigentlich was Ruhiges gesucht wird. Dazu ist es ratsam, keine Dateianhänge mit der Bewerbungsemail mit zu schicken. In Zeiten von Dropbox, OneDrive, Youtube oder eigenen günstigen Servern sollte man immer Links verschicken und bitte keine Bandinfo, die 15mb groß ist.

Robert Grosse
Robert Grosse, Manager Live Booking bei Roof Music
Soundsgood
Friedemann Bauknecht & Ruben Bauer, Gründer und Booker bei soundsgood music agency

Musik, die technisch, qualitativ und kreativ heraus sticht!

Prinzipiell haben wir natürlich immer die Augen und Ohren offen,  gehen auf Konzerte, schauen in die Programme von Veranstaltern und entdecken Künstler und Musik auf Social Media Plattformen wie Facebook, Instagram, YouTube, Spotify. Auf der anderen Seite bekommen wir auch teilweise spannende Künstler empfohlen und auch unter den Initiativbewerbungen von Bands sind manchmal interessante Acts dabei.

Was sollte ein Act mitbringen? Zum einen natürlich tolle Musik! Damit ist natürlich nicht unser subjektiver Musikgeschmack gemeint, sondern Musik, die technisch, qualitativ und kreativ heraus sticht. Des Weiteren sollte es sich schon auch musikalisch in unserem Genre-Feld gut einfügen. Metal Bands und Folksmusik sind bei uns an der falschen Adresse ehrlicherweise. Außerdem spielt natürlich das Stadium der Band eine große Rolle und die damit einhergehenden Frage, ob eine Reichweite und Fanbase besteht und was für ein Plan die Band hat (kurz-, mittel, langfristige Ziele, Meilensteine und Zukunftsaussichten).

Zum bewerben bei einer Booking Agentur würden wir vor allem raten:

  • Per E-Mail und NICHT über Social Media bewerben.
  • Den Namen der Agentur und des Ansprechpartners richtig schreiben!
  • Mehr als drei Zeilen und weniger als eine Seite schreiben (sonst ist zu wenig Infos drin oder es erschlägt einen).
  • Nicht die Links zu Social Media und vor allem Musik vergessen.

An act who is not humble in their approach is definitely a no-go for me.

A lot of artists we discover through Spotify and Youtube playlists, and through word of mouth. We have a few acts reaching out to us and applying for positions on our roster because we work with similar acts and this gives us a chance to discover new music that would really fit our agency, I personally believe energy attracts energy and if it is meant to be then the opportunity will present itself.

Good and honest music is the most important thing as through melody, lyrics and good songs an artist will be able to thrive in todays industry. Another important aspect is a strong live performance that connects with the bands audience and new potential fans which they need to convince with their live show.  The ability to manage themselves and the determination to set goals in their career and reach these goals through hard work is one of the most important aspects for me personally, to see if an act has the potential to take their career to the next level.

An act who is not humble in their approach is definitely a no-go for me. Life is too short to deal with arrogance on a daily basis. Leave your attitude at the door and just make music because you love it and want to share it with the world, not because of fame or money. Also no cheesy electronic pop music for me. 🙂 I am old school and prefer good songs with simple production rather than over produced pop songs.

Jean Pierre Enderli
Jean Pierre Enderli, Head of Booking bei Filter Booking