Booking In Corona Zeiten

Booking In Corona Zeiten

Was ist jetzt sinnvoll und was nicht?

In den letzten Wochen erreicht mich besonders eine Frage aus der Community immer wieder:
"Ist es für mich als Musiker*in unter den aktuellen Umständen überhaupt sinnvoll, Booking-Arbeit zu betreiben?"

Dieser Artikel ist mein persönlicher Blick auf die Dinge und kann dir vielleicht zwischen den vielen Fragezeichen, die uns gerade umgeben, etwas Orientierung bieten.

Trotzdem bleibt all dies natürlich meine subjektive Einschätzung - das quasi als kleiner Disclaimer vorab. 

Ich habe das Ganze in vier Abschnitte gegliedert:

- Wie die „reguläre“ Booking-Arbeit gerade aussehen würde
- Blick auf die aktuelle Situation
- Was bedeutet das für deine Booking-Arbeit gerade?
- Wie kannst du das Beste für dich aus der Situation herausholen?



Wie die „reguläre“ Booking-Arbeit gerade aussehen würde

Schauen wir zunächst, wie die "Normalität" zu diesem Zeitpunkt aussehen würde.

Unter normalen Umständen wärst du vielleicht noch dabei, ein paar letzte Gigs für den Spät-Sommer klar zu machen und/oder du würdest an einer Tour oder einzelnen Auftritten für den Herbst/Winter arbeiten. Du hältst die Augen offen nach neuen Auftrittsmöglichkeiten und gehst immer mal wieder in die gezielte Recherche. Aber alles aber relativ entspannt, mit Vorfreude auf den Festival-Sommer.


Blick auf die aktuelle Situation

Nun schauen wir uns die aktuelle Situation an. Für mich gibt es vier wesentliche Punkte, die sich gerade beobachten lassen.

Aufgrund der Komplett-Absagen von Festivals entsteht die Situation, dass manche Festival-Veranstalter versuchen, die für dieses Jahr gebuchten Acts weitestgehend mit ins nächste Jahr zu nehmen. Das ist zum einen gut für die gebuchten Acts, um da eine Sicherheit zu haben. Auf der anderen Seite macht es das auf jeden Fall schwieriger für sich bewerbende Acts, weil die Anzahl der zur Verfügung stehenden Slots nun von Vornherein geringer ist.

Was das Tour- und Venue-Booking angeht, zeigt sich leider vielerorts die traurige Situation, dass gerade die kleineren Clubs und Locations oft nicht mit Sicherheit sagen können, ob sie es über den Sommer schaffen. Somit sind die Reaktionen auf neue Anfragen für Herbst oder auch bereits nächstes Frühjahr eher verhalten – man wartet noch ab, eine genaue Planung ist gerade einfach nicht möglich.

Gleichzeitig werden unzählige Touren aus diesem Frühjahr in den Herbst verlegt, bzw. mittlerweile wird auch hier schon auf Termine in einem Jahr gegangen, also das Ganze auf das nächste Frühjahr verschoben.

Parallel sprießen Streaming- und Online-Konzerte nur so aus dem Boden und es findet ein massiver Shift von offline nach online statt.


Was bedeutet das für deine Booking-Arbeit gerade?

Meine persönliche Empfehlung ist folgende: Ich denke, Booking-Arbeit ist gerade nicht das, was die oberste Priorität haben sollte (dazu unten mehr). Es sei denn du hast aktuelle Tour-Termine, die verlegt werden müssen – da solltest du direkt drangehen. 

Generell sehe ich es für dieses Jahr schwierig, was die Akquise von neuen Auftritten angeht. Fast wöchentlich kommen von der Regierung und den Behörden neue Beschlüsse, und auch wenn es in einigen Bereichen gerade Richtung Lockerungen geht, befürchte ich, dass die Veranstaltungen einer der Sektoren sein werden, die am längsten von Verboten betroffen sein werden. 

Also: Ich schlage vor, all die Booking-Energie schon jetzt auf die Planung von 2021 zu legen. Gehe nochmal in eine tiefgreifende Recherche von Festivals für nächstes Jahr und starte dann frühzeitig im August/September mit deinen Anschreiben. Denn auch wenn wie oben geschildert manche Acts mitgenommen werden ins nächste Jahr – nicht bei allen passt der neue Termin und auch nicht alle Festivals verfahren nach dieser Methode.

Das gleiche gilt bei Touren – wenn du vor hast im Frühjahr 2021 auf Tour zu gehen, dann setze dich hier bereits zeitnah an die Planung, da, wie ich oben meinte, die Verschiebe-Termine der aktuellen Frühjahrstouren teilweise auch schon bis ins nächste Jahr mit hineinreichen.

Natürlich liegt das Thema Online- und Streaming-Konzerte dann noch auf der Hand – es gibt hier mittlerweile einige Plattformen und Anbieter, die auch gezielt ein Programm kuratieren, sodass du hier sogar die Möglichkeit hast, gezielt Booking für diese Art von Gigs zu betreiben. 

Hier ein paar Links von Plattformen, die du mal auschecken kannst.

(Melde dich gerne, wenn du noch weitere Plattformen kennst, die in die Liste sollten.)

Wie kannst du das Beste für dich aus der Situation herausholen?

Auch wenn es die Gigs sind, die jetzt wegfallen, denke ich wie bereits oben angedeutet nicht, dass deswegen nun auch all dein Fokus auf Booking liegen sollte, um das sozusagen "aufzufangen".

Als erstes möchte ich daher hier einsteigen mit ein paar Gedanken, die vielleicht dazu beitragen können, etwas den Druck aus der Situation zu nehmen.

Tritt einmal einen Schritt zurück und versuche, trotz der persönlichen Implikationen, die Umstände objektiv zu betrachten. Wie viele reale Einnahmen gehen dir gerade durch ausgefallene Konzerte tatsächlich verloren? Ich spreche also von dem Gewinn, den tatsächlichen finanziellen Auswirkungen. Was wäre übrig geblieben, wenn du bei den verlorenen Gigs die Kosten (und auch den zeitlichen „Aufwand“) der Gage gegenüberstellst? In vielen Fällen (natürlich nicht in allen) ist dieser Betrag gar nicht so groß, wie man im ersten Moment denkt.

Das „Nicht-Auftreten-Können“ an sich, also dass einfach die Möglichkeit vom Spielen ausbleibt, können wir uns natürlich nicht so einfach schön rechnen. Das ist mir vollkommen klar. Doch eine andere Perspektive kann sein: wir bekommen sogar etwas geschenkt – die Zeit, die sonst unterwegs in Band-Bussen, auf Autobahnen und natürlich auch auf den Gigs verbracht worden wäre, steht nun bereit, um einen neuen Fokus zu bekommen.

Wofür nutzt du sie gerade?

Songwriting?

Produktion?

Updaten deiner Materialien (Pressetext, Rider, Website, etc.)?

Für Weiterbildung in Sachen Booking, um perfekt aufgestellt zu sein, sobald es wieder losgeht?

Oder – gerade jetzt relevant – für die Professionalisierung deines Online-Auftritts?

Jetzt ist die perfekte Zeit, all diese Dinge - bzw. die, die bei dir Priorität haben - anzugehen.

Fazit

Unter dem Strich möchte ich dir sagen: Anstatt auf die negativen Seiten zu schauen, lohnt es sich, einen Blick darauf werfen, welche Chancen die aktuelle Situation bietet – und dann aktiv auf diese Chancen zu zugehen!

Booking betreiben? Ja, aber ohne dich dabei unter Druck zusetzen und anstatt zuviel Energie in das unsichere 2020 zu stecken, direkt die Planung für ein mega 2021 angehen. 

Ich wünsche dir alles Gute, bleib gesund,

deine Corinna


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