Zusammen Leuchten Festival Booking

Aus dem Nähkästchen: Zusammen Leuchten Festival Booking

Als einen meiner Jobs mache ich nach wie vor das Booking für das Zusammen Leuchten Festival, das ich 2016, zusammen mit meinem damaligen Team bei Rausgegangen, ins Leben gerufen hatte. Die Festivalleitung habe ich nun nach 3 Jahren im Zuge meines Selbstständig-Werdens abgegeben, um meinen Fokus auf andere Dinge zu legen. Das Booking habe ich bei mir behalten, worum ich auch nach wie vor sehr froh bin.

In diesem Artikel erzähle ich ein bisschen aus dem Nähkästchen, wie es im Booking-Prozess für das Festival für gewöhnlich so abläuft. Mit dabei somit auch gleich der ein andere oder andere Tipp für diejenigen Bands und Musiker unter euch, die sich auf einen Slot im nächsten Jahr bewerben möchten.

Zusammen Leuchten – Ein Konzept-Festival

Eine ganz wichtige Sache, die es aus der Booking-Perspektive zu verstehen gilt, und die mir auch sehr wichtig ist: Zusammen Leuchten ist kein typisches „Line-Up Festival“, das die Tickets über die Namen ein paar krasser Headliner verkauft. Vielmehr geht es darum, ein einmaliges Gesamterlebnis zu schaffen – eine Fusion aller Künste von Musik über Tanz und Theater bis hin zu Poetry und Akrobatik. Und das spannende: es funktioniert! Viele Besucher kaufen bereits früh ihr Ticket, auch zu Zeitpunkten, wo noch keine einzige Band veröffentlicht ist.

Aus meiner Sicht ist das besonders schön deshalb, weil ich so noch mehr Möglichkeiten habe, auch kleineren, gerade aufstrebenden Bands einen Slot zu geben, die es verdient haben, gesehen und gehört zu werden. Anstatt nach dem „Wer zieht wie viele Leute“-Argument gehen zu müssen, kann ich schauen, wer mich wirklich vom Hocker fegt und deshalb einen Slot bekommen sollte, und nicht wegen 100.000 Followern auf irgendeiner Plattform. Was aber natürlich nicht heißt, dass wir nicht auch mal die ein oder andere Überraschung im Line-Up haben. 😉

An dieser Stelle wird gleichzeitig klar, wie es bei vielen anderen Festivals leider eher in zweiter Linie um das Konzept geht, und das „Wie viele Leute werden gezogen“-Argument eine große Rolle spielt. Das ist denke ich eine Strategische und konzeptionelle Entscheidung, die ein jeder Veranstalter am Anfang treffen muss.

Die Sache mit den Gagen – Kleiner Kuchen, viele Stücke

Wie es so schön heißt, jeder möchte ein Stück vom Kuchen und das soll auch jeder bekommen. Uns ist es sehr wichtig, dass jeder Künstler entlohnt wird. Gleichzeitig zeigt sich hier auch wenn man so will ein Nachtteil des Konzept-Festivals: bei den zu bezahlenden Künstlern handelt es sich eben nicht nur um 10 – 12 Bands, sondern auch noch um Tanz- und Theater-Ensembles, Akrobatik-Truppen, Poetry Slammer, Autoren, Workshopleiter und so weiter und so fort, sodass sich der sowieso schon kleine Kuchen in sehr viele Stückchen aufteilen muss. Dies erkläre ich immer jedem einzelnen Act, mit dem ich spreche, weil einfach im Vorherein klar sein muss, wie die Gegebenheiten sind. Die meisten freuen sich jedoch, dabei sein zu können und sind mit ihrem Kuchenstück zufrieden.  

Das Programm

Was hingegen wieder für ein Konzept-Festival spricht, ist im Falle vom Zusammen Leuchten auf jeden Fall die Tatsache, dass wir was das Musik-Genre angeht sehr offen sind. Frei nach dem Motto: Alles und jeder kann hier „passieren“. So sind zum Beispiel auch dieses Jahr vom Singer-Songwriter, über Garage und Punk Rock, bis hin zu Indie, Folk und reinen Instrumental Acts verschiedenste Stile vertreten gewesen.

Dennoch muss natürlich die Gesamtzusammenstellung stimmig sein. Doch die dramaturgische und stilistische Zusammensetzung des Programms ist bei weitem nicht das eine Kriterium, das in Betracht gezogen werden muss. Von Auflagen der Stadt, dass es zu gewissen Zeiten draußen „leiser“ sein muss, bis hin zu der Abstimmung mit denn anderen Programmpunkten (die Punkrockband auf der Mainstage sollte nicht zeitgleich mit dem Poetry-Slammer auf der Bühne nebendran stattfinden) gibt es einiges zu bedenken.

Auswahl und Berwerbungsprozess

Ich kann klar festhalten, gut zwei- bis dreiviertel der Acts, die ich für das Festival buche, habe ich bereits vorher schon irgendwo entdeckt und live spielen sehen. Das ist mir in der Tat auch das liebste Kriterium: wenn ich eine Band schon einmal live gesehen habe, und weiß, was sie draufhat und welche Energie und Präsenz sie auf der Bühne hat, macht das einen Entscheidungsprozess im Sinne von „Passt das auf unser Festival?“ um einiges einfacher. Daher der Tipp: wenn ihr aus Köln seid oder vielleicht mal hier in der Gegend spielt, ladet mich gerne ein, ich bin immer viel auf Konzerten unterwegs und freue mich stets, Neues zu entdecken. 

Doch natürlich haben auch Bewerbungen auf „normalem“ Wege eine Chance. Wichtig hier ist der Zeitraum, am besten meldet ihr euch im Oktober mit eurer Bewerbungsemail, da fange ich für gewöhnlich an, die Sachen für das nächste Jahr zu sammeln. 

Meine Philosophie ist ganz klar, dass jede einzelne Email beantwortet wird, wenn dies auch manchmal etwas länger dauern kann. Dies ist meistens der Fall, wenn die vorgeschlagene Band auf die „Sammelliste“ kommt. Denn der finale Auswahlprozess darüber, was dann tatsächlich ins Line-UP kommt, erfolgt erst um einiges später und auch in Absprache mit dem Festivalteam.