3 Gründe für Stagnieren

3 Gründe, warum Bands auf ihrem Weg stagnieren

Und: 3 Erste-Hilfe-Tipps

Als Bookerin und Projektmanagerin, gerade im Bereich des Eventmanagements (und natürlich als passionierte Konzertgeherin 😉), bekomme ich immer wieder mit, wie viele – und noch dazu wirklich gute – Bands und Musikprojekte es da draußen gibt. Gleichzeitig sind mir bei meiner Arbeit mit den Künstlern und Musikern, die ich in den letzten Jahren kennenlernen und mit denen ich zusammenarbeiten durfte, – durch Geschichten, Erzählungen und auch direktes Miterleben – immer wieder gewisse Punkte aufgefallen, die Bands und Projekte am „Weiterkommen“ gehindert haben.
Auch wenn dies vielleicht nicht auf den ersten Blick ersichtlich war.

Die meiner Meinung nach größten drei Gründe habe ich im Folgenden für dich zusammengefasst und habe am Ende auch direkt noch drei Erste-Hilfe-Tipps parat. 

1. Sichtbarkeit

Es scheint denkbar einfach – wenn niemand sieht, wie gut ich in etwas bin, dann wird auch niemand jemand anderem davon erzählen.
Soweit ist das den meisten auch klar, und es ist nichts Neues, wenn von „digitaler Reichweite“, „Clicks“ und „Followern“ gesprochen wird. Jeder weiß, das virtuelle Präsenzen im Allgemeinen und Social Media Plattformen im Speziellen heutzutage leider eher ein „must have“ sind, als ein „nice to have“.
Doch vom Erstellen eines Profils bis zu der effektiven Nutzung ist leider oft ein holpriger Weg. Fragen, wie „Welcher Kanal für welche Inhalte?“ über „Was soll ich überhaupt posten?“ bis hin zu „Wie kann ich meine Profile für Marketing nutzen?“ hast auch sicher du dir schon das ein oder andere Mal gestellt.

An diesem Punkt fehlt einfach ein gewisser Input, der startenden und auch oft genug bereits länger im Spiel seienden Bands und Musiker*innen die lange Phase des Einarbeitens und der Trail & Error-Prozesse erspart. Gezielte Schritte und bewiesene Anleitungen, zu Themen von der optimalen Gig-Promotion über Social Media bis hin zu Tipps für den Aufbau eines für die Fans spannenden Profils.

Denn bei der Sichtbarkeit an sich hört es ja nicht auf, sondern geht sozusagen erst los – mit dem, was ihr dann im nächsten Schritt nach Außen repräsentiert.
Eine klare, abgestimmte und hochwertige Außendarstellung deines Projektes ist das A und O für verschiedenste Bereiche und im Bereich des Musikbusiness, möchte ich sagen, sogar noch wichtiger als die bloße Anzahl der Follower.
Was sieht ein Booker, wenn er auf eure Website klickt? Was bekommt ein Veranstalter für einen Eindruck, wenn er euch auf Facebook sucht? Welchen Eindruck vermittelt ihr über euer Instagram-Profil?

Lasst erkennen, dass ihr euch Mühe gebt, dass ihr den Drive habt, voran zu kommen. Und vor allem zeigt ihr mit klaren Profilen auch, dass ihr wisst was ihr tut und das Ganze selbst in der Hand habt. 😉

2. Klare Zielsetzung

War der Grund der Sichtbarkeit & Außendarstellung noch relativ praktisch und greifbar, bewegen wir uns nun in eine mehr auf der Metaebene angesetzte Problematik.
Nicht selten begegne ich Bands, bei denen es einfach nicht so richtig voran gehen will. Wenn ich frage, was sind denn eure Ziele für dieses Jahr? Oder für das nächste, und für in fünf Jahren? Dann blicke ich oft in fragende Augen und es wird klar, dass so eine Definition der Ziele der Band oder des Projektes nie in dem Sinne stattgefunden hat.

Klar, oft passieren die Dinge am Anfang auch noch nicht mit so einer, ich nenne es mal, „Wichtigkeit“. Man liebt das Musikmachen, gründet eine Band, sucht sich einen Proberaum, spielt dann und wann mal einen Auftritt, alles nimmt so seinen Lauf. Doch in dem Moment, wo das Ganze auf die nächste Stufe gehoben werden soll, geht es eben mit der „Wir schauen mal was kommt“-Einstellung nicht so gut voran.

Es hilft extrem, sich seiner Grundsätze, Werte und Ziele als Band bewusst zu werden und einen Plan zu haben, wie die nächsten Jahre aussehen sollen. Aus diesem Gerüst lassen sich dann meist ganz einfach konkrete „Nest Steps“ für die kommenden 8-12 Wochen ableiten, um auf die vereinbarten Ziele hinzuarbeiten.

Gerade als Band, gegenüber einem Soloprojekt, hilft hier eine Person in der Rolle des Mediators sehr weiter, die sowohl den Blick von außen auf euer Projekt werfen, als auch an den nötigen Stellen vermitteln und durch Arbeitstechniken und Tools hilfreichen Input geben kann. (*hust* Falls ihr da jemanden sucht, mir würde da jemand einfallen. 😉)

3. "Ich will doch eigentlich Musik machen!"

Mit der größte Grund, den ich jedoch sehe, ist folgendes Paradoxon:
In dem Moment, wo du dich dafür entscheidest, dich auf deinem Weg der Musik zu professionalisieren, weil du es liebst, Musik zu machen (und ein bisschen Talent ist vielleicht auch am Start 😉), hageln unzählige Aufgaben und Verantwortlichkeiten auf dich herein und sorgen dafür, dass du einen Großteil der Zeit alles andere machst, nur keine Musik.

Vor allem in der Phase deines Musikprojektes, in der du (noch) nicht mit einer Booking-, Promo-, oder sonstigen Agentur zusammenarbeiten kannst oder willst. Und bei Booking und Promo hört es ja noch nicht auf – auch Networking, Social Media und die Projektplanung für den EP-, Album oder Video-Release machen sich nicht von selbst, von dem Umsetzen des Geplanten mal ganz zu schweigen.

Die Kunst besteht also darin, sich erstens, dieser Problematik bewusst zu werden, um eine Struktur in die Prozesse bringen zu können. Um dann, zweitens, jeden einzelnen der Bereiche gezielt und effizient anzugehen.
Letzteres ist natürlich leichter gesagt als getan. Allein schon Booking ist das beste Beispiel – alle wissen, wie essenziell wichtig dies ist: ohne Booking keine Auftritte, ohne Auftritte geht es nicht voran. Und trotzdem erlebe ich es immer wieder, dass die mit dem Thema verknüpften ToDos immer weiter aufgeschoben werden, bis Fristen verstrichen und Chancen verpasst worden sind. 

Es braucht also auch hier eine klare Ansage, was wann und bis wann, auf welche effektivste Weise zu erledigen ist, welche Tools und Werkzeuge dabei helfen und welch ein oder anderen Trick es vielleicht bei der Sache gibt. Das gleiche gilt für den bereits erwähnten Social Media-Bereich und natürlich auch für alle Themen der Projektplanung und -umsetzung.

Drei Erste-Hilfe-Tipps

    1. Aufgabenverteilung
      Innerhalb einer Band solltet ihr Aufgaben auf jeden Fall eher personenbezogen verteilen, als eine Aufgabe an sich aufzuteilen. Das hat mehrere Gründe.
      Zum einen gibt es (oft, aber nicht immer) eine Person, die sich für eine gewisses Thema geeigneter fühlt, als für ein anderes.
      Zum Beispiel wird es nicht zum Erfolg führen das Thema Social Media tageweise in der Band aufzuteilen, die Wahrscheinlichkeit, dass an vielen Tagen, wenn der jeweiligen Person gerade nichts einfällt, nichts gepostet wird ist hoch.
      Einfacher ist es mit einer fest zugeteilten Person für den Job. Sie kann sich dann einen konkreten Contentplan machen und zudem hat das Ganze noch den positiven Effekt, dass eure Postings konsistent im gleichen Stil verfasst sind.
      Zum anderen ist es auch einfach für euch intern übersichtlicher und für Aufgaben mit Außenbezug wie Booking und PR-Arbeit besser, wenn es eine Person gibt, die genau weiß, wie der Stand ist und was die ToDos sind und es eben diese Person auch als klaren Ansprechpartner für den Bereich gibt.
    2. Blick für Zeiträume
      Sei dir bewusst, dass verschiedene Aufgaben oft an gewisse Zeiträume gebunden sind, und es damit zu „Peaks“ kommen kann, an denen die ToDos in einem Bereich sich einfach häufen werden.
      Wenn du dies vorher mit einplanst und andere Bereiche rechtzeitig abarbeitest, kommt das Ganze dann nicht so überraschend und du kannst es gezielt angehen. Beispielsweise steht vor einer Tour einiges an Promo-Arbeit an, oder im September/Oktober ist DIE Zeit, um sich um die Festivalbewerbungen für das nächste Jahr zu kümmern – und wie du vielleicht schon weißt, das ist einiges an Arbeit. Mit den richtigen Tools und Arbeitsprozessen aber auf jeden Fall gut machbar. 😊
    3. Tabellen, Tabellen, Tabellen! 😃
      Es mag komisch klingen, aber Struktur und Dokumentation ist bei dem Nicht-Musikmachen-Anteil des Musiker*innen-Daseins tatsächlich die halbe Miete! Gerade das Thema Booking wird durch das Nachhalten von Kontakten, und Daten wie „wann kontaktiert“, „wann nachgehakt“, „Rückmeldestatus“ ect. sehr vereinfacht, überschaubarer und vor allem leichter reproduzierbar.